„Jeder hilft mit“: Bevölkerungsschutztag in Dernbach setzt auf Eigenvorsorge
Dernbach. Wie gut sind die Menschen auf einen Notfall vorbereitet? Mit dieser Frage beschäftigte sich der zweite Bevölkerungsschutztag der Verbandsgemeinde Puderbach am Sonntag (25. Oktober) im Haus an den Buchen in Dernbach. Von 11 bis 18 Uhr präsentierten Einsatz- und Hilfsorganisationen ihre Arbeit und informierten über Möglichkeiten der persönlichen Krisenvorsorge. Die zentrale Botschaft lautete: „Jeder hilft mit.“
Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit
Bürgermeister Sven Schür erinnerte bei der Eröffnung daran, wie schnell Starkregen, Hitzeperioden, Stromausfälle oder geopolitische Entwicklungen den gewohnten Alltag verändern könnten. Das solle keine Angst machen, sondern verdeutlichen, wie wichtig eine gute Vorbereitung sei. Bevölkerungsschutz sei mehr als Technik und Ausrüstung. Ebenso wichtig seien Vertrauen, Zusammenarbeit und Zusammenhalt. Schür dankte den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die neben Beruf und Familie jederzeit bereitstünden, wenn andere Menschen Unterstützung benötigten. „Ohne euch wäre ein funktionierender Bevölkerungsschutz nicht möglich“, betonte der Bürgermeister.
Zahlreiche Organisationen informierten
Organisator Dirk Kuhl stellte die beteiligten Organisationen vor. Neben der Feuerwehr der Verbandsgemeinde Puderbach unter Wehrleiter Alexander Neuer präsentierten sich unter anderem die Polizei Straßenhaus, das Deutsche Rote Kreuz, die First Responder und die Seniorensicherheitsberatung. Weitere Informationsangebote beschäftigten sich mit Hochwasser- und Starkregenvorsorge, Klimawandelanpassung, dem Projekt „Schwammlandschaft Holzbachaue“ und der Notstromversorgung. Erfreuliche Nachrichten gab es beim Ausbau des Sirenennetzes: Nach Angaben von Kuhl sind inzwischen 18 neue Sirenen in der Verbandsgemeinde errichtet und funktionsfähig. Lediglich zwei bis drei weitere Standorte müssen noch ergänzt werden. Für den schnellen Ausbau dankte er Landrat Achim Hallerbach und der Kreisverwaltung.
Hallerbach: „Wir müssen uns vorbereiten“
Landrat Achim Hallerbach machte deutlich, dass der Bevölkerungsschutz angesichts zunehmender Herausforderungen eine neue Bedeutung erhalten habe. Extremwetterereignisse, Cyberangriffe, technische Störungen und mögliche Stromausfälle erforderten eine bessere Vorbereitung. Die Ahr-Flut habe eindringlich gezeigt, wie wichtig funktionierende Strukturen im Katastrophenschutz seien. „Ob und wann es uns mal trifft, das können wir nicht sagen. Aber es gilt der Grundsatz, dass wir uns vorbereiten müssen“, betonte Hallerbach. Dabei erinnerte er daran, dass es früher selbstverständlich gewesen sei, Lebensmittelvorräte anzulegen. Dieses Bewusstsein müsse wieder gestärkt werden. Jeder Bürger sei gefordert, sich Gedanken über die eigene Vorsorge zu machen. Deutliche Worte fand der Landrat zur Erwartung, dass Feuerwehr und Hilfsorganisationen jedes Problem lösen könnten. Bei großflächigen Krisenlagen kämen auch die Einsatzkräfte an ihre Grenzen. Statt einer „Vollkaskomentalität“ brauche es mehr Eigenverantwortung und Nachbarschaftshilfe. Das beginne beim Schutz des eigenen Hauses vor Starkregen und reiche bis zur Bevorratung mit Trinkwasser und haltbaren Lebensmitteln. Hallerbach empfahl, den Ratgeber zur Krisenvorsorge zu nutzen. Es müsse nicht sofort jede Empfehlung umgesetzt werden. Schon erste Schritte seien ein wichtiger Fortschritt.
Ehrenamt ist das Rückgrat des Bevölkerungsschutzes
Große Anerkennung zollte Hallerbach den Einsatzkräften und ehrenamtlichen Helfern. Die Verbandsgemeinde Puderbach verfüge über eine gut aufgestellte Feuerwehr und engagierte Hilfsorganisationen. Besonders erfreulich sei die starke Nachwuchsarbeit bei der Bambini- und Jugendfeuerwehr. Gleichzeitig warb er dafür, weiterhin junge Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen. Die unentgeltliche Arbeit der vielen Helfer sei für die Gesellschaft unbezahlbar. Ausdrücklich dankte Hallerbach Organisator Dirk Kuhl für dessen Engagement. Mit dem Bevölkerungsschutztag und der strategischen Arbeit nehme die Verbandsgemeinde Puderbach aus seiner Sicht eine Vorbildfunktion im Kreis Neuwied und darüber hinaus ein.
Besuch aus dem Innenministerium
Auch auf Landesebene stieß der Bevölkerungsschutztag auf großes Interesse. Im Laufe des Tages besuchte Tom Riedel, Landesbrand- und Katastrophenschutzinspekteur sowie zuständiger Referatsleiter im rheinland-pfälzischen Innenministerium, die Veranstaltung in Dernbach. Er informierte sich ausführlich über die vorgestellten Konzepte und Angebote. Riedel zeigte sich von der Veranstaltung sehr angetan und konnte zahlreiche Anregungen und Ideen für seine weitere Arbeit mit nach Mainz nehmen.
16 Notfalltreffpunkte für die Bevölkerung
Ein wichtiger Schritt zur Krisenvorsorge ist die Einrichtung von Notfalltreffpunkten in allen 16 Ortsgemeinden. Sie sollen bei größeren Krisenlagen als Anlaufstellen für die Bevölkerung dienen, insbesondere wenn gewohnte Kommunikationswege ausfallen. Im Einsatzfall werden die Treffpunkte durch Beschilderung kenntlich gemacht und beleuchtet. Die Bürger sollten sich bereits jetzt informieren, wo sich ihr nächster Notfalltreffpunkt befindet.






